Lachs auf dem Vormarsch

Was steckt hinter dem Trend-Lebensmittel?

Die Strömung des Flusses peitscht um die Steine. Er bahnt sich seinen Weg durch die idyllische Landschaft. Gesäumt von saftigen Wiesen und begrenzt durch scharfe Kanten. Und da springen sie. Die Lachse, nach ihrem Ablaichen sind sie auf dem Weg zurück ins Meer. Froh, ein weiteres Mal zum Erhalt ihrer Art beigetragen zu haben. Bald erreichen sie das Meer – die weite Freiheit.

Doch was sie erwartet ist oft nicht die Freiheit, sondern der Tod. Im Frühling, wenn die Temperaturen steigen, dann sind auch die Lachsläuse wieder da. Sie setzen sich an den Kopf der Tiere und ernähren sich von der Haut und dem Muskelgewebe. Ausgewachsene Tiere haben eine Überlebenschance, für jüngere ist es jedoch der sichere Tod. Vorbei mit der Idylle.

Massenzucht bringt die Laus auf den Vormarsch 

In den letzten Jahren ist die Zahl der Lachsläuse explodiert. Grund dafür sind die Lachsfarmen (unter anderem in Norwegen). In den gewaltigen Meerkäfigen, können die Tiere natürlich mit Medikamenten geschützt werden, der Wildlachs jedoch ist ohne jede Vorbereitung. Aber Medikamente sind nicht immer die beste Lösung. Laut Norwegian Seafood Council sind im Jahr 2016 53 Millionen Fische an Parasiten gestorben. Das sorgt nicht nur für einen Anstieg der Preise von Zuchtlachs, sondern auch dafür, dass es weiterhin zu aggressivem Einsatz von Medikamenten kommt.

Chemie gegen Parasiten 

2,3 Millionen Liter eines Medikaments namens Paramove 50 werden nun verwendet, um den Läusen Herr zu werden. Dieses Mittel besteht aus Wasserstoffperoxid (bekannt als Bleichmittel für Haare oder Stoffe). Aber wie es so häufig der Fall ist, beginnen die Läuse bereits eine Immunität gegen Wasserstoffperoxid zu entwickeln. Tatsächlich scheint es so, dass H2O2 die Hautstruktur der Tiere beeinflusst, ebenso wie die Zusammensetzung der Schleimschicht die zum Schutz vor Parasiten gedacht ist. Somit wird es den Wasserläusen schlussendlich noch leichter gemacht, die Lachse zu befallen. Auch die Behandlung der Tiere sorgt für erhöhten Stress von dem sich diese nur langsam erholen. Während dieser Zeit sind sie aufgrund des geschwächten Immunsystems noch anfälliger für Erreger. Und wenn die Tiere in den Farmen erkranken dauert es nicht lange bis sich das ganze auf den ohnehin schon gefährdeten Wildlachsbestand überträgt.

Wirkt doch ganz Idyllisch oder?

Und nicht nur die Lachse. Eine Studie der Universität Bergen hat gezeigt, dass Wasserstoffperoxid schon in kleine Dosen zum Sterben von Shrimps führen kann. Da sich die Chemikalie nicht so schnell zersetzt wie erwartet, können sich die Schadstoffe entlang der Küsten verteilen und die dortige Tierwelt schädigen.

Was heißt das für uns?

Jetzt reden wir die ganze Zeit nur von den Tieren. Am Ende werden diese jedoch getötet und als Nahrungsmittel auch zu uns verkauft. Dabei sind die Tiere nicht nur durch Medikamente belastest. Unter den Farmen sammeln sich meterhohe Schichten aus Futterresten, Ausscheidungen und Pestiziden. Auf Touristenfahren zu den Lachsfarmen wird erzählt, der Kot würde abgesammelt und als Dünger verwendet werden. In der Realität sieht das Ganze aber dann etwas anders aus.

Man weiß nicht wie hoch die Toxin Belastung in Zuchtlachsen ist, aber so gesund wie die Fische verkauft werden sind sie schon lange nicht mehr. Durch die künstliche Fütterung und ständige Behandlung ist auch der so hochgelobte Omega-3-Anteil im Fleisch längst gesunken.

Gift für die Haltbarkeit 

Außerdem wurde das Futtermittel Ethoxyquin bei Lachsen aus Norwegen nachgewiesen. Dieses Mittel (das zur Haltbarkeit des Futters beiträgt) lagert sich teilweise im Körperfett der Fische ein und gilt nach EG-Verodnung als „toxisch (oral) und gesundheitsschädlich beim Verschlucken.“ Bis 31.03.2020 darf dieses Mittel im Futter noch verwendet werden. Auch wenn man die Auswirkungen der Chemikalie auf den Menschen nicht eindeutig einschätzen kann, sollte man ihn nicht so einfach ignorieren. Als Pflanzenschutzmittel ist er nämlich schon seit mehreren Jahren verboten.

Am Ende sind es Lebewesen

Aber nicht nur in der Theorie leiden die Tiere in solchen Farmen. Fische erleben Schmerz und Stress. Wenn man sich dann einmal die Bilder aus solchen Farmen anschaut, wo die Tiere in Massen vor sich hinschwimmen und ihr Leben in Tristheit fristen, dann sagt das bereits alles.

Um die Liste des Schreckens noch etwas länger zu machen: Häufig entkommen Zuchtlachse auch aus ihren Käfigen und paaren sich dann mit ihren wilden Verwandten, wodurch deren Bestand weiter gefährdet wird.

Qualitätscheck

Immer noch Appetit auf Lachs? Das Problem ist wie immer Angebot und Nachfrage. Umso besser Lachse gezüchtet werden konnten, umso weiter stieg die Nachrage. Dazu kommt noch die Überzeugung sich mit diesem Fisch besonders gesund zu ernähren. Da in unserer Gesellschaft gerade sowieso alle auf dem Gesundheitstrip sind, steig die Nachfrage natürlich immer weiter.

Es ist wichtiger denn je, dass wir uns nicht mehr nur fragen was wir essen, sondern auch woher. Egal ob bei Fisch oder Fleisch: Lieber in Maßen aber dafür teurer und von guter Qualität.

Aber so leicht wird es einem nicht gemacht. Da kommt die Stiftung Warentest und erklärt: Zuchtlachs ist besser als Wildlachs. Super. Natürlich kann man von der Stiftung Warentest halten was man möchte, aber ein Großteil der Bevölkerung zählt natürlich auf deren Meinung. Auch Belastungen durch Quecksilber oder Blei wurden bei den getesteten Fischen nicht nachgewiesen. Der regelmäßig gefütterte Zuchtlachs hat dabei sogar mehr Fett als Wildlachs und damit ist er natürlich „gesünder“ denn in diesem Fett steckt das Omega 3.

Das dieses jedoch bei diesen Tieren deutlich weniger ausgeprägt ist, wird nicht erwähnt…

Werden hier gesunde Fische gezüchtet?

Wer hat denn hier recht?

Dieser Test stammt noch aus diesem Jahr. Ende 2016 hat auch Greenpeace Fischprodukte getestet. Laut BILD waren alle 38 Proben aus konventioneller Zucht belastet und beinahe alle lagen dabei deutlich über den Grenzwerten. Die höchste Belastung durch das bereits erwähnte Ethoxyquin hatte dabei ein Lachsprodukt aus Norwegen. Laut Greenpeace wurde der Grenzwert um das 17-fache überschritten. Dieser Wert konnte (laut Norwegian Seafood Council) jedoch nur erreicht werden, da bei der Bewertung die Abbauprodukte  sogenannte „Ethoxyquin-Dimer“ mit eingerechnet wurden. Dieses ist bei der Grenzwertbestimmung nicht der Fall –wieso auch immer.

Wir sind wie immer auf uns allein gestellt

Also: Die (aus Steuergeldern finanzierte) Stiftung Warentest rät zum Kauf von Zuchtlachs. Den Greenpeace-Erkenntnissen zufolge, sollte man eher auf Wildlachs oder Produkte aus Bio-Aquakulturen umsteigen.

Wie bereits erwähnt: Egal aus welcher Quelle, der Genuss von Fisch in Maßen ist bereits der erste richtige Schritt!Wer dabei etwas tiefer in die Tasche greift macht in diesem Fall nichts verkehrt. Wenn die Nachfrage von Fischen aus großen Farmen zurückgeht, dann werden diese Farmen automatisch kleiner und umweltverträglicher.

Schlussendlich spricht nichts gegen den Genuss eines guten Stücks Fisch, aber man sollte auf die Qualität achten und woher er kommt. Nachdem sich unsere Sicht auf den Fleischkauf langsam zum Positiven wandelt, ist es an der Zeit auch den Fisch endlich wieder auf die richtige Bahn zu bringen.