Die Süßigkeiten Box

Tag 1

Das so ein Teil im Büro steht, geht schneller als gedacht. Da kommt der nette Vertreter durch die Tür und hält eine Holzschachtel voller kleiner Versuchungen in der Hand. Mit seiner charmanten Art überzeugt er die Kollegin innerhalb von Sekunden. Die arme Dame, auf sich alleine gestellt, weiß sich nicht besser zu helfen, als das Teil anzunehmen. Ist ja nur auf Probe und man möchte der Gemeinschaft die Entscheidung lassen.

Und dann steht sie in der Küche. Offen. Verführerisch. Aber die Sache hat einen Haken: Ein Teil kostet 1,00 €. Wenn man sich etwas mehr (also 2 Teile gönnen möchte) kommt einem die Box entgegen: das kosten dann 2 Teilchen nur noch 1,60 €. Das Bezahlen erfolgt logischerweise auf Vertrauensbasis.

Und dann stehen wir alle vor der Box. Gefangen zwischen Verlangen und Ablehnung.

„Was soll das Teil denn hier?“

„Schick das wieder zurück!“
„Viel zu teuer.“

Alle gehen auf die Kollegin los die uns das Monster aus Holz und Schokolade eingebrockt hat. Jetzt steht da ein Haufen überteuerter Süßigkeiten in der Küche. Was wollen wir bitte damit? Da gehen wir lieber mittags zum Bäcker und gönnen uns ne Brezel oder ne Nussecke. Und die berühmte Süßigkeitenschublade gibt es ja auch noch – auch wenn die abgelaufene Schokolade da drin etwas weniger verführerisch ist.

Also, Box ignorieren und zurück an die Arbeit. Doch damit hat sich das ganze natürlich noch nicht erledigt. Ja, geht nur mal in die Küche eine Kaffee holen während ihr seit Stunden vorm Computer sitzt. Da lächelt der Schokoriegel doch auf einmal ganz nett von der Seite.

Aber nein, wir haben uns ja im Griff!

Naja, wir könnten uns das ganze ja teilen. Jetzt einmal zum Spaß geht schon oder? Das Kleingeld liegt ja eh nur im Geldbeutel rum.

Oder doch einfach nehmen? Das merken die nicht, ist ja Vertrauensbasis …

Irgendwie hat es die Box geschafft sich in beinahe jedes Gespräch des restlichen Tages einzuschleichen. Aus Spaß wird dabei langsam ernsthaftes Verlangen. Die Auswahl ist aber auch zu verführerisch.

Die Gedanken schweifen wieder ab. Aber die Witze kommen immer wieder. Wir kriegen dieses verdammte Ding einfach nicht aus unserem Kopf.

„Das läuft wie ne eins, nach der Probezeit wollt ihr die Box nicht mehr hergeben.“, meint die Kollegin, die für die Box verantwortlich ist, mit einem verschmitzten Lächeln. Ein bißchen Schadenfreude ist auch dabei, da sie jetzt erstmal Urlaub hat. Irgendwie hat sie schon Recht. Nicht einmal seit 3 Stunden stehen die Süßigkeiten jetzt in der Küche und wir kämpfen schon alle mit uns selbst. Der erste Kauf ist nur eine Frage der Zeit.

Ein Psychologe hätte heute sicher seine Freude mit uns.

Wir fühlen uns wie in eine schlechte Reality Show versetzt. „Big Brother – Die Süßigkeiten Box“ könnte ein echte Klassiker werden. Oder wie wäre es mit „Germanys next Süßigkeitenkauf“? Wir bleiben stark! Sollte es neue Entwicklungen geben, halten wir euch auf dem Laufenden.